colab:camp 2016

colab:camp

Letzten Samstag wurde in Chemnitz digitale Geschichte geschrieben! Denn am Fuße des Sonnenbergs fand in den innovativen Gefilden des Lokomov und dem farblich dazu abgestimmten Kabinettstückchen das allererste colab:camp statt. Damit eure vom bildschirmlichtgetränkten Augen gut folgen können, habe ich das Ereignis anhand der Fragen eines Fanta 4 Klassikers übersichtlich aufbereitet. „Wo gehen wir hin?“ sollte hiermit geklärt sein. ;-)

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BUNDjugend Chemnitz

BUNDjugend Chemnitz

Wer ist eigentlich dieser BUND? Und was genau machen überhaupt die Leute von der BUNDjugend? Dieser Frage bin ich im Interview mit Leonie von der Buju Chemnitz auf den Grund gegangen!   

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Geschichte
Die Reiselustigen unter euch haben bestimmt schon mal vom Couchsurfing.com gehört. Hierbei handelt es sich um eine Plattform, die 2003 noch als kleine Non-Profit-Organisation von Casey Fenton ins Leben gerufen wurde. Die Idee entstand in den ’90ern, als Casey mit einem Freund nach Ägypten reiste und dort das Glück hatte, trotz mangelnder Sprachkenntnis bei einer Familie unterzukommen. Bei einer weiteren Spontanreise nach Island probierte er das Ganze etwas koordinierter: er durchsuchte die Onlinedatenbank der Universität Reykjavik und mailte knapp 1.500 Studenten mit der Frage an, ob sie ihn aufnehmen würden während seines Aufenthalts. Auch hier stieß er auf positive Resonanz, denn über 50 Menschen boten ihm an, bei ihnen zu nächtigen. Daraufhin wurde aus der Idee, Menschen auf Reisen weltweit zu vernetzen, zu einem konkreten Projekt. Im Jahr 2011 wurde das Netzwerk dann kommerzialisiert, was bei vielen Usern auf breite Kritik stieß.

Motivation hinter Couchsurfing
Auf der Website geht es darum, auf Reisen nicht nur tagsüber die Landschaft und dann abends die Hotelwände anzuschauen, sondern stattdessen Menschen und ihre Kultur unmittelbar kennenzulernen. Die Hosts öffnen gegenleistungsfrei ihr Zuhause, um Reisende zu treffen und ihnen ihr Land näher zu bringen. Die einzigartigen Begegnungen, die ohne die Plattform wohl nie zustande kommen würden, tragen zum kulturellen Austausch und Verständnis bei. Couchsurfing fasst die Werte selbst so zusammen:

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Wie kann man mitmachen?
Es gibt viele verschiedene Arten, wie man auf Couchsurfing mitmischen kann. Zuallererst kommt einem natürlich der*die Couchsurfer*in in den Kopf, welche*r an fremden Orten ein Plätzchen zum schlafen sucht. Als Host wiederum bietet man sein Zuhause genau denjenigen Leuten an, die sich auf Reisen befinden. Darüber hinaus kann man auch einstellen, dass man Zeit hat, jemanden die Stadt zu zeigen oder etwas anderes zu unternehmen, auch wenn man keinen Schlafplatz zur Verfügung hat. Außerdem gibt es auf Couchsurfing verschiedene Gruppen, in denen man sich über alle möglichen Reisethemen austauschen kann, bspw. darüber wie es ist, als ältere Person, Familie oder homosexuelle*r Couchsurfer*in unterwegs zu sein oder aber auch, wenn man auf der Suche nach einem*r Reisepartner*in sucht. Auch zu jeder größeren Stadt gibt es i.d.R eine Gruppe, wo man sich über lokale Aktionen auf dem Laufenden halten oder einfach mal etwas nachfragen kann. Über die Plattform kann man zudem Events posten, allen voran oft die Stammtischtreffen, die es in vielen Städten gibt – auch in Chemnitz. Es finden außerdem auch übers Jahr verteilt in der ganzen Welt sogenannte Couchsurfing Camps statt, wo Couchsurfer zusammen kommen und gemeinsam Zeit verbringen, sich austauschen, trinken, tanzen und Spaß haben.

Die Anmeldung
Hups, jetzt hätten wir den wirklich ersten Schritt beinahe übersprungen – die Anmeldung! Diese ist in jedem Fall kostenlos. Das Anmeldeformular hat sich über die Jahre stark verändert, mittlerweile kann man sich mit einem Klick über „Join with Facebook“ unmittelbar anmelden, ohne überhaupt irgendetwas über sich selbst eingetippt zu haben. Allerdings stellt das sorgfältige Ausfüllen des Profils einen extrem wichtigen Teil beim Couchsurfing dar. Umso detaillierter du über dich, deine Hobbies und Interessen berichtest, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du von einer anderen Person gehostet wirst. Dein Profil ist gerade am Anfang, wo du noch keine Referenzen hast (mehr Infos dazu weiter unten), dein Aushängeschild. Denn auch wenn ein Hosts generell offen dafür ist, unbekannte Leute bei sich aufzunehmen, wollen sie schon eine Vorstellung davon haben, wen sie sich eigentlich ins Haus holen. Wenn man einsehen kann, ob man bspw. denselben Musikgeschmack, eine gemeinsame Leidenschaft oder ähnliche Reiseerfahrungen hat, ist der Grundstein für das Vertrauen und interessante Gespräche oft bereits gelegt.

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Wie finde ich eine Couch?
Sobald du weißt, wann deine Reise wohin geht, kannst du auf CS in der Leiste ganz oben den entsprechenden Ort eingeben und auf die Suche nach dortigen Hosts gehen. Ob du das einen Monat oder einen Tag vorher machst, bleibt dir überlassen; viele Leute sind oft bereit, auch spontan zu hosten, aber wenn man mindestens eine Woche vorher jemanden anschreibt, ist man definitiv auf der sichereren Seite. Anfangs werden dir die Hosts angezeigt, die bereits einige Erfahrungen gesammelt haben. Auf der rechten Seite kannst du zudem den Filter nutzen, falls du bspw. wissen willst, ob das Zuhause rollstuhlgeeignet ist, du deinen Hund gern mitnehmen würdest oder auf deine Zigarette nicht verzichten willst bzw. andersherum. Selbst bzgl. des Alters, des Geschlechts und der Unterkunftsart kannst du Präferenzen angeben, wobei die Ergebnisse mit jeder weiteren Einstellung niedriger ausfallen werden.

Wie schreibe ich eine Couchsurf-Request?kkljölkö
Sobald du die Hosts durchgegangen und dich nach sorgfältiger Lektüre des Profils für   eine oder mehrere potentiellen Hosts entschieden hast, geht es daran, eine Anfrage (Request) zu verfassen, welche generell in Englisch geschrieben ist, es sei denn, man spricht dieselbe Sprache. Das ist dein erster Kontakt zu der anderen Person, weshalb du dir viel Mühe geben sollst. Gut funktioniert, wenn man die Person auf oben genannte Gemeinsamkeiten aufmerksam macht oder z.B. anbietet zu kochen, ihr*ihm ein paar Brocken in deiner Sprache beizubringen oder was dir sonst noch so schönes einfällt. Außerdem macht es Sinn, ein bisschen etwas über dich und deine Reisepläne zu berichten.

Was ist eine Public Request?
Um eine Public Request zu erstellen, gibt man in der oberen Leiste bei ‚Find Hosts‘ die entsprechende Stadt ein und klickt dann auf „Create a Public Trip“. Daraufhin erscheint eine kleine Suchmaske, wo man eingibt, wann man wohin will und was man so geplant hat. Das Ganze funktioniert also im Prinzip wie die persönliche Request, nur dass sie sich nicht an eine spezielle Person sondern jeden Host in der Umgebung richtet. Damit die Leute dir eine Couch anbieten, solltest du auch hier wieder genau beschreiben, wer du bist, was dich interessiert und wie deine Pläne aussehen.

Was ist eine Emergency Couch Request?
In einigen Städten gibt es auch „Emergency Gruppen“, in die man schreiben kann, wenn man irgendwo gestrandet ist und spontan eine Couch braucht. Man findet sie, indem man in der oberen Suchleiste die Worte Emergency + Stadt bzw. Last minute couch + Stadt eingibt. Die Gruppen sind unterschiedlich groß und organisiert, i.d.R. sollte man frühestens ab 3 Tage vor Anreise posten. Auch hier gilt, dass man ein Mindestmaß an Mühe aufwenden sollte, um die Request zu formulieren und den Leuten einen Eindruck von dir zu vermitteln.

Wenn der Host dich aufnehmen möchte…
… solltest du die Adresse erfragen und Nummern tauschen, damit du deinen Host im Notfall erreichst und vice versa. Außerdem muss kommuniziert werden, wann und wo du ankommst. Manchmal haben die Hosts die Möglichkeit, dich bspw. von der Bahn abzuholen. In der Profilspalte „My Home“ kannst du meistens bereits einsehen, was der einfachste Weg zu deinem Host ist. Des weiteren sollte geklärt werden, was du gegebenenfalls mitbringen musst z.B. Isomatte und Schlafsack. Du könntest dir auch schon mal Gedanken darüber machen, vielleicht ein kleines landestypisches Gastgeschenk mitzubringen. Falls sich deine Reisepläne ändern sollten, gib deinem Host unverzüglich Bescheid – dafür kann man sich auch ruhig mal bei jemandem ein Handy leihen, wenn gerade kein Internetcafe zugegen ist. Nicht aufkreuzen ohne Nachricht und Entschuldigung geht gar nicht, schließlich hat dein Host sich extra auf dich eingestellt! Wenn es doch einmal passieren sollte, dass du ohne Abmeldung nicht auftauchst, setz dich sobald es dir möglich ist mit einer fetten Entschuldigung auf den Lippen mit deinem Host in Verbindung!

Dein Aufenthalt
Wenn es so weit ist und du auf die Klingel deines Hosts drückst, erinnere dich daran, was für ein großes Geschenk es ist, dass dich jemand in seinem Heim willkommen heißt. D.h. auch wenn du müde oder angenervt bist, weil irgendwas nicht auf Anhieb geklappt hast, wäre es wünschenswert, wenn du nicht gleich nach dem Bad fragst, um sofort wieder zu verschwinden und dich anschließend in die Koje zu hauen. Nimm dir stattdessen die Zeit, dein Gegenüber kennenzulernen und plant bspw. schon mal gemeinsame Unternehmungen. Sei außerdem höflich und aufmerksam, hilf z.B. mal beim Abwasch und versuche, nicht mehr Unordnung zu hinterlassen als vorher. ;-) Als Zeichen der Freude und Dankbarkeit könntest du deinen Host auf ein Bier oder Eis einladen oder was dir sonst noch so einfällt – vielleicht kannst du ihr*ihm ein paar Griffe auf der Gitarre zeigen oder weißt zufällig, wie man einen tropfenden Wasserhahn repariert. In jedem Fall ist es eine gute Idee, eine Thank-You-Note zu hinterlassen, in der du dich für die Zeit bedankst.

Die Referenz
Nachdem man bei jemanden gecouchsurft ist, schreibt in aller Regel der Surfer als erstes eine sogenannte Referenz. Darin beschreibt er seine Erfahrungen mit dem Host, also bspw. was man gemeinsam unternommen hat oder wie man generell empfangen wurde. Eine persönliche Anekdote sowie warme Abschlussworte a la „I can absolutely recommend to stay with this person“ oder „Good luck with xy“ oder „Hope to see you again“ sollten nicht fehlen. Die Referenzen sind ein essentieller Bestandteil der Couchsurfingwelt, weil sie einen Eindruck geben, wie der Couchsurfer tickt. Du hast die Möglichkeit eine positive, neutrale oder negative Referenz zu hinterlassen. Sei dir bewusst, dass alle Mitglieder die Referenz einsehen können und bemühe dich um eine möglichst rationale Darstellung der Dinge, gerade wenn du dich über deinen Host geärgert haben solltest. Bevor du eine schlechte Referenz hinterlässt, versuche den Konflikt zunächst direkt mit der Person zu klären und missbrauche die Funktion nicht, nur um der Person eins auszuwischen.

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Als Host
Um eine Person zu hosten, braucht es eigentlich gar nicht viel – Hauptsache irgendeine Art Schlafplatz und die Einverständnis deiner Mitbewohner*innen falls vorhanden. Im komfortabelsten Fall kann das ein Gästezimmer mit Bett sein, aber auch lediglich ein Platz auf dem Boden, wo dein Gast ihre*seine Matratze und Schlafsack ausrollen kann, reicht völlig aus. Wichtig ist, dass du vorher kommunizierst, was den Couchsurfer bei dir erwartet und was er mitbringen muss, z.B. Schlafsachen, Handtücher etc. In der Rubrik „My Home“ hast du die Möglichkeit, deine Häuslichkeit zu beschreiben, indem du generelle Infos darüber gibst, wie viele Menschen bei dir unterkommen können, ob du Tiere hast oder rauchst etc. pp. Außerdem kannst du selbst beschreiben, wie man am besten zu dir kommt, was für Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe sind und wie nah du am Stadtzentrum bzw. irgendwelchen Sehenswürdigkeiten wohnst. Sobald der Gast da ist, solltest du eine kleine Haustour geben, zur Sicherheit Toilette, Dusche und Mülltrennung erklären (das geht in vielen Ländern ganz schön auseinander!) sowie weitere Hausregeln erläutern, bspw. ob die Sachen im Kühlschrank zur freien Verfügung sind oder wie es mit Lautstärke gehandhabt wird. Zudem solltest du wenn genug Zeit einplanen, etwas mit deinem*r Besucher*in zu unternehmen. Falls das nicht möglich ist, kündige das vorher an, damit der Couchsurfer weiß, worauf er sich einstellen kann. Wenn du oft Besuch hast und um dir Arbeit zu ersparen, kannst du auch eine Art eigenen Stadtplan mit allen möglichen Infos (Essens/Shoppingtipps, Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen etc.) erstellen.
Solltest du eine liebe Request bekommen für einen Zeitraum, in dem du nicht da bist, ist es eine nette Geste anzubieten, die Person an Freunde bzw. andere Couchsurfer*innen weiter zu vermitteln.

Sicherheit
Grundsätzlich ist Couchsurfing eine sichere Plattform, sofern man sich an das gängige Prozedere hält. Das bedeutet: lies dir das Profil genau durch, sprich dich mit der Person ab (ihr könnt auch vorher mal skypen/telefonieren/chatten) und v.a. hör auf dein Bauchgefühl! Man kann sich auch verifizieren lassen, was eine Art der Identitätsprüfung dienen soll. Man überweist mindestens 19€ an die Plattform, woraufhin man eine Postkarte mit einem Code geschickt bekommt, was als Verifikation der Adresse dienen soll. Das kann man auch mit seiner Handynummer machen, wonach man eine SMS mit einem Code erhält, den man dann bei Couchsurfing eingibt. Auf den Profilen der Couchsurfer*innen, die schon länger dabei sind, finden sich z.T. sogenannte „Voucher“. Couchsurfer*innen konnten sie an andere Mitglieder vergeben, was bedeutet, dass sie für die Person bürgen. Mittlerweile gibt es die Funktion allerdings nicht mehr, da sie sehr ähnlich zur Referenz ist.
Wer wirklich auf Nummer Sicher gehen möchte, kann mit Freunden oder Familie vereinbaren, dass man sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nach der Ankunft meldet. Es ist auch eine gute Idee, einen Notfallplan zu haben, bspw. dass man sich im Vorhinein Hostels in der Nähe raussucht. Wenn man sich unwohl fühlt bei seinem Host, dann kann der Aufenthalt natürlich auch jeden Moment abgebrochen werden, man ist schließlich niemandem etwas schuldig. Das passiert allerdings sehr selten, also mach dir bloß nicht zu große Sorgen!

Kritik
Unter anderem dadurch, dass die Anmeldung einem so einfach gemacht wird, setzen sich viele nicht besonders intensiv mit der Ausgestaltung ihres Profils und dem ganzen Couchsurfing Spirit auseinander. Der sieht nämlich ganz klar vor, dass Couchsurfing nicht als kostenlose Unterkunft missbraucht wird, sondern der persönliche Austausch an erster Stelle steht. Falls du mal dringend einen Schlafplatz benötigst, weil du irgendwo arbeiten musst oder gerade auf der Durchreise bist, ist es natürlich immer noch eine Möglichkeit, über CS eine Bleibe zu finden. Allerdings solltest du dir auch in dieser Situation bewusst machen, dass auch hier der Austauschgedanke zählt und dein Vorhaben deinem Host vorher klar ansagen.

Fazit
Ich habe mit Couchsurfing bisher ausschließlich gute Erfahrungen gemacht! Es ist ein tolle Erfahrung, direkt bei Menschen unterkommen, die sich in dem Land auskennen und dich herumführen – so etwas kann kein Tourguide ersetzen. Oft bekommt man auch gleich super Tipps zum essen, ausgehen etc. gratis dazu. Aber viel wichtiger: man hat die Möglichkeit, von anderen zu lernen und gemeinsam eine super Zeit zu verbringen. Im schönsten Fall bilden sich daraus sogar echte Freundschaften und man kann bspw. einen Rückbesuch starten. Auch als Host ist es eine grandiose Chance, sich Land und Leute nach Hause zu holen, wenn man selbst z.B. gerade nicht die Möglichkeit hat, zu verreisen. Wer innerhalb der Gruppen aktiv ist, kann sich mit anderen Reisenden schnell und einfach austauschen und bei den Stammtischtreffen lernt man sogar noch Leute aus seiner eigenen Stadt kennen, die man sonst vielleicht nie getroffen hätte. Wie das Ganze in Chemnitz vonstatten geht, kannst du hier nachlesen.

Noch ein paar Infos zum Thema:
Couchmovie Trailer
Alternativen zu Couchsurfing:
BeWelcome
AirB&B (kostenpflichtig)
TrustRoots (noch im Aufbau)
Couchsurfing Blog

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Auf den ersten Blick scheint Chemnitz nicht gerade die geborene Couchsurfer-Stadt zu sein, aber der Eindruck täuscht! Auch hier klopfen ab und an Durchreisende, Kurzzeitarbeitende oder Wohnungssuchende an die Türen der gastfreundlichen Chemnitzer*innen. Die Hauptgruppe stellen allerdings die Studis da, die meist im September in Scharen in Karl Marx‘ Stadt einfallen, um sich die TU anzuschauen. Ab und zu verirren sich aber tatsächlich auch echte Touristen hierher! Wer in Chemnitz gern regelmäßig neue Leute aus aller Welt sowie von nebenan kennenlernen möchte, der sollte beim monatlichen Couchsurfer-Stammtisch vorbeischauen.

An jedem 4. im Monat trifft man sich abends in unterschiedlichen Lokalitäten, um sich bei Bier, Cola und Cocktail über die Stadt und das Reisen auszutauschen.

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Den Stammtisch gibt es bereits seit 2010! Gegründet wurde er auf Initiative des damaligen Deutschlandbotschafters Josh Cahill. Mittlerweile kümmern sich Viktor und Mathias sowie gelegentlich Torsten und Vivien darum, alle Globetrotter an einen Tisch  zu setzen und in einer multikulturellen Atmosphäre zum Austausch anzuregen. In diesem Jahr konnte schon das 60. Treffen gefeiert werden! Auf den Treffen finden sich neben ein paar alten Hasen auch immer wieder neue Reiselustige zusammen – ob Couchsurfer*innen, die gerade zufällig in der Stadt sind, ausländische Studierende und andere Neuankömmlinge, die gern Kontakte knüpfen wollen oder auch einfach Interessierte. Darüber hinaus hat sich Henrik Haftmann also Organisator von regelmäßigen Sport- und Outdoor-Veranstaltungen etabliert. Selbst eine Tageswanderung von über 30 km haben zahlreiche Teilnehmer tapfer gemeistert.

Vernetzen und auf dem Laufenden halten kann man sich darüber hinaus auf der offiziellen CouchSurfing Gruppe oder der Facebook-Couchsurfing Gruppe. Hier werden außerdem regelmäßig die Events geteilt, welche ihr natürlich auch jeden Monat hier im Kalender nachschauen könnt. Zudem lassen sich die Plattformen gut dazu nutzen, sich z.B. für Ausflüge zusammenzufinden oder bei der Suche nach einem*r Reisepartner*in.

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Um euch einen persönlichen Eindruck davon zu vermitteln, wer da eigentlich alles am Stammtisch sitzt, habe ich mich bei Keksen und Saft 3 Stunden lang mit Viktor in die Sonne gesetzt, um die Couchsurfing-Lage in Chemnitz zu analysieren. Viktor ist offizieller Couchsurfing-Botschafter, bringt also langjährige Reiseerfahrung mit und kennt sich als gebürtiger Karl-Marx-Städter bestens vor Ort aus. Er hat‘s sogar schon bis in die Couchsurfer Headquarters in San Francisco geschafft!

Raumfrei: Wie bist du zum Couchsurfing gekommen?
Viktor: Ich bin, wie sicherlich viele andere auch, irgendwann mal im Internet darauf gestoßen. Interessanter ist da schon der Punkt, an dem ich beschlossen habe richtig aktiv zu werden. Das war, als Josh mal in Chemnitz war und mich mit seinem unglaublichen Tatendrang und Charme dazu inspirierte. Von da an habe ich mich für die CS-Stadtgruppe stark gemacht und etliche ehrenamtliche Stunden in die Entwicklung und verschiedene CS-Projekte von CouchSurfing als Ganzem investiert. Dabei kam natürlich auch das „Hosten“, „Surfen“ und Kennenlernen neuer Leute nicht zu kurz.

Raumfrei: Was war bisher deine spannendste Erfahrung?
Viktor: Da fallen mir mehrere ein – allesamt einzigartig und denkwürdig. Das ist ja gerade das Geniale, das man bei CouchSurfing so viel Neues kennenlernen kann und je nach eigener Präferenz auch der Abenteuerfaktor hoch ist. In Minsk, Belarus, war ich mal bei einem, der war Manager eines großen Kasinos. In Los Angeles wohnte mein Host im 36. Stockwerk direkt im Geschäftszentrum, wo sich ein Hochhaus neben das andere reiht. Unvergessen natürlich auch all die Gäste, die an meine Tür klopften.

Raumfrei: Was hast du von Couchsurfing gelernt?
Viktor: Ich habe dutzende Städte mit Wolkenkratzern, wunderschöne Landschaften oder historische Ruinen gesehen. Diese Dinge ähneln einander oft und verschwimmen mit der Zeit. Es sind die Menschen, die ganz klar hervorstehen und den Reisen und Begegnungen ihren Wert geben. An die erinnert man sich ganz genau. Sie lassen Erinnerungen lebendig werden und bieten einen Ankerpunkt im Gedächtnis, sollte man beispielsweise einmal beschließen, wieder einen der gewonnenen Freunde zu kontaktieren. Ein jeder kann einem etwas mitgeben und so wächst der globale geistige Horizont Stück für Stück immer weiter. Kontaktbarrieren gibt es dabei praktisch keine. Das ist CouchSurfing.

Raumfrei: Was würdest du den Couchsurfern, die nach Chemnitz kommen, auf jeden Fall raten/zeigen?
Viktor: Wenn ich mal nicht kann, habe ich Stadtkarten parat, worin ich je nach Vorliebe des Gastes alles einzeichne, was ihn begeistern könnte. In der Regel versuche ich jedoch, selbst mit auf Tour zu gehen. Unsere Stadt hat viele schöne Ecken, auch wenn es kaum Reiseführer gibt. Naheliegend sind natürlich der Schloßteich und die alte Schloßkirche sowie das Stadtzentrum und ein Abstecher zum Nischel und Opernplatz. Sportlern würde ich die Boulderlounge oder den Hochseilgarten empfehlen. Kritische Erstbesucher erkennen an dieser Stelle meist schon, dass Chemnitz nicht die langweilige triste, graue Stadt ist, die ihnen suggeriert wurde.

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Wer sich als Surfer in die Welt begibt, sollte definitiv einen Pfeffi oder aber eine Miniatur Karl-Marx-Statue im Gepäck haben! Und wer noch gar nicht richtig weiß, wie CouchSurfing eigentlich funktioniert, kann hier alles in Ruhe nachlesen.

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Karma Kitchen

Als ich den Namen Karma Kitchen gehört hab, dachte ich zugegebenermaßen zuerst, jetzt habe tatsächlich so ein Ayurveda-Lifestyle-Schuppen bei uns aufgemacht. Weit gefehlt! Als ich mich so durch die Speisekarte las, stachen mir statt indischer Wohlfühlkost deftige Burger ins Auge, medium rare natürlich, also guter alter American Style. Aber auch wenn das wohl als Aushängeschild der Karma Kitchen gelten kann, hört die Karte dort noch lang nicht auf. Tatsächlich werden sämtliche Geschmäcker, Allergien und sonstige Essgewohnheiten bedient, wie man am täglich wechselnden Mittagsangebot sehen kann. Irgendwo zwischen Limetten-Thymian-Hühnchen, veganem Thai-Curry, Sahnehering oder Rührei mit Brennesselspinat wird absolut jeder fündig. Wer beim chillen am Schlossteich kurz mal Appetit bekommt, sollte die 5 Minuten Fußweg keineswegs scheuen, um sich ein paar Kugeln selbstgemachtes Sorbet oder ein saftiges Stück Kuchen einzuverleiben.

Aber wer sind diese neuen Sterne am Chemnitzer Gastrohimmel eigentlich? Der ein oder andere ist den zwei gebürtigen Karl-Marx-Städtern Julie und Tilo wenn nicht hier vielleicht schon mal auf dem Dockville, Melt oder Splash-Festival über den Weg getanzt, wo die beiden bis dato die Festivalbesucher mit allerlei Schmackhaftem bei Kräften gehalten haben. Passend dazu war der gelernte Koch auch schon als Rock’n’Roll-Caterer tätig sowie für das ein oder andere Artist-Catering – bis 2013 der Entschluss gefasst wurde, in eins der drei noch verbliebenen Gleichen zu ziehen, um ein Lokal ganz nach den eigenen Ansprüchen zu gestalten. Und die sind nicht gerade gering! Die beiden haben sich dem Slowfood verschrieben und setzen somit ganz auf Lebensmittel aus der Region. So stammen die Burgerbrötchen vom Hahnbäck, die Säfte zum Großteil aus der Heide Saftmanufaktur in Siebenlehn und die Brennessel schon mal aus dem Garten der Freundin. Während man im Garten leicht Kräuter anbauen kann, wird’s mit Viehhaltung schon schwieriger. Um dennoch qualitativ hochwertiges Fleisch für die bald sicherlich legendären Burger verarbeiten zu können, haben die zwei Inhaber bei sämtlichen Höfen vorbeigeschaut, bis sie schließlich beim Limousin-Hof Klemm fündig geworden sind. Besonders zu empfehlen sind außerdem die hausgemachten Limonaden!

Wer kann da also noch ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie*er es sich auf der luftigen Terrasse oder innerhalb der im beruhigenden türkis gestrichenen vier Wände gut gehen lässt? Die Kar(l)ma(rx) Kitchen stellt nicht nur ein gewieftes Wortspiel dar, sondern macht ihrem Namen alle Ehre! Sämtliche Lebensmittel wurden von Julie und Tilo mit viel Feingefühl und einem geschulten Gaumen ausgesucht, wobei Regionalität und Nachhaltigkeit als wichtiges Kriterium immer berücksichtigt wurden. Dabei wird nie außer Acht gelassen, dass trotz allem der Preis stimmen muss, damit sowohl Best-Ager als auch die Berufsschüler*innen von nebenan die Möglichkeit haben, sich ein leckeres, gesundes und mit bestem Gewissen versehenes Mahl zu sich zu nehmen, ohne dass das Portemonnaie gleich leer ist. Gerade wer in der Mittagspause nur ein schmales Zeitfenster hat, muss sich keine Sorgen machen – innerhalb von 10 Minuten steht das Essen dampfend auf dem Tisch!

Obwohl die Karma Kitchen schon im Eröffnungsmonat fast aus allen Nähten platzt, hat Julie sich spontan die Zeit genommen, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Raumfrei: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ausgerechnet ein Diner zu eröffnen?

Julie: Zum einen sind Tilo und ich beide große Amerika-Fans, ich gucke beispielsweise wahnsinnig gerne Basketball. Zum anderen hat uns in Chemnitz bisher ein Restaurant gefehlt, in das wir selbst gern gehen würde. So kamen wir auf die Idee, einfach selbst ein Diner aufzumachen. Wichtig war uns dabei, nicht ein typisch hektisches Diner zu sein. Stattdessen sollen die Leute hier in loungy Atmosphäre gern auch ein paar Stündchen verbringen.

Raumfrei: Was ist euch besonders wichtig?

Julie: Wir wollen, dass sich die Menschen hier wohlfühlen und zu einem guten Preis leckeres Essen bekommen. Deshalb werden bei uns alle Gerichte täglich frisch zubereitet.

Raumfrei: Habt ihr zukünftig noch andere Pläne?

Julie: Wir würden gern die Regenbogenfahrt unterstützen, die dieses Jahr durch Sachsen führt, indem wir hier bei uns eventuell ein kleines Happening veranstalten. Auch eine Aktion gemeinsam mit den Niners könnten wir uns gut vorstellen.

Die Karma Kitchen findet ihr hier:

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foodsharing

Wir leben in einer Welt, in der wir uns keine großen Gedanken um das Thema Essen machen müssen. Denken wir jedenfalls. Denn wenn wir über Lebensmittel nachdenken, dann meist nur darüber, was gerade im Angebot ist oder möglichst krass auf instagram durchgefiltert werden kann, um sämtlichen Facebookfriends mit Fotos von kulinarischen Kochhighlights ordentlich auf die Nerven zu gehen. Abgesehen davon sollte es natürlich möglichst gluten- und lactosefrei, kalorienarm sowie mit gutem Gewissen versehen sein.

Wir, das sind die 99+1 Prozent minus den 16,1%, die derzeitig in Armut leben oder davon gefährdet sind. Wir sind im Überfluss des sogenannten goldenen Westens groß geworden und Hunger ist für uns ein Fremdwort- fremd, weil es wenn überhaupt nur andere betrifft, irgendwo in diesem großen Kontinent da unten. Oder aber man lebt an einem Ort ohne Späti und es ist nach 21.30Uhr. Nur hier kann man sich nach knapp 9 ½ Stunden dann auch wieder in die starken Arme von PennyReweAldi fallen lassen und sich fröhlich den Wanst vollschlagen. Dabei wird unlängst übersehen oder einfach ignoriert, was überhaupt erst weggeschmissen werden muss, damit uns nur die knackigsten Äpfel und vor Scham gerötete Tomaten zum Kauf verführen und uns das lästige Ablaufdatum auf Käse und Co. nicht den Appetit verdirbt. Hier geht’s eben nicht ums Überleben sondern um den Genuss, der sofort mimimi schreit, wenn ihm eine braune Stelle ins Auge fällt.

„Und was nun?!“

Glücklicherweise gibt es noch einige Menschen, die sich mit ritterlichem Mut den schimmeligen Stellen und aufgerissenen Packungen entgegen stellen und sie unter anderem auf Schnippeldiskos so lang präparieren, bis auch sie zu einer leckeren Mahlzeit verarbeitet sind. Jahrelang war das Retten von Lebensmitteln Einrichtungen wie der Tafel oder Personen, die anonym und illegalerweise containerten, vorbehalten. Das hat zwei bedeutende Nachteile im Vergleich zur Foodsharing-Plattform: Zum einen hat bspw. die Tafel strenge Hygiene-Auflagen, weshalb sie nicht alle noch genießbaren Lebensmittel mitnehmen kann. Zum anderen fungieren die Foodsharing-Kooperationen als legale Container-Alternative, die das Lebensmittelretten aus seiner Anonymität herausholt und noch mehr Menschen eine Teilnahme erleichtert, ohne mit rechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen. Abgesehen davon handelt es sich um eine wesentlich angenehmere Variante als ständig nachts von Supermarkt zu Supermarkt zu ziehen, um in den Mülltonnen nach Essbarem zu wühlen.

Seit 2013 bietet foodsharing.de einen Raum, um sich zu vernetzen und gemeinsam gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Das Ziel ist es, alle noch genießbaren Lebensmittel zu verwerten, um so Ressourcen zu schonen und auf bestehende Missstände aufmerksam zu machen sowie das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen. Hierbei gibt es bestimmte Regeln, die eingehalten werden müssen, um für einen reibungslosen und v.a. salmonellenfreien Ablauf zu sorgen. Drei weitere Infos sollten außerdem auch klar sein: 1) läuft Foodsharing auf komplett ehrenamtlicher und unentgeltlicher Basis abgesehen von der Minijobstelle der Geschäftsführung 2) steht die Plattform nicht in Konkurrenz zur Tafel oder ähnlichen Institutionen sondern dient vielmehr als Ergänzung 3) kommt es beim Verteilen der Lebensmittel nicht auf den sozialen Status der Personen bzw. auf deren „Bedürftigkeit“ an.

„Und wie funktioniert das Ganze?!“

Wer die Idee knorke findet, aber nicht allzu viel Zeit oder Muße im Gepäck hat, um dauerhaft aktiv zu werden, kann als Foodsharer beitreten. Wenn du also aus Versehen zu viel eingekauft hast, dir dein Müsli doch nicht so schmeckt oder es bald in den Urlaub geht, aber der Kühlschrank noch vollgepackt ist, kannst du die Lebensmittel einfach in Form eines Essenskorbs auf der Website online stellen, woraufhin sich ein netter Mensch mit ordentlich Appetit bei dir meldet. Nach der Kontaktaufnahme könnt ihr dann abmachen, wo und wann ihr euch am besten zur Lebensmittelübergabe trefft. Auch für dich lohnt es sich, regelmäßig auf der Plattform nachzusehen, ob du nicht etwas von den angebotenen Lebensmitteln gebrauchen kannst, bevor du dich auf den Weg in den nächsten Konsumtempel begibst.

Wer sich gern mehr einbringen würde, sollte das Quiz machen, um als Foodsaver durchstarten zu können. Das beinhaltet die konkrete Vernetzung mit anderen Foodsavern in deiner Region, um gemeinsam Supermärkte etc. anzusprechen und so Kooperationen ins Leben zu rufen. Diese funktionieren kurz gefasst so: Ihr geht bspw. zu einem Supermarkt in eurer Stadt, erklärt dem Inhaber die Vorzüge des Lebensmittelrettens und vereinbart für die Zukunft feste Termine, um die Lebensmittel abzuholen, die sonst in der Tonne landen würden. Diese verbraucht ihr dann entweder selbst oder teilt sie mit Freunden und Nachbarn. Gerade bei größeren Mengen macht es zudem Sinn, sie auf die Plattform selbst zu stellen oder sie zu einem Fairteiler zu bringen. Ein Fairteiler ist sozusagen das reale Gegenstück zu der Website – es ist ein Ort, den dem du dein Essen direkt hinbringen bzw. mitnehmen kannst.

Wer Foodsharing in ihrer/seiner Region aktiv mitgestalten möchte, kann als Betriebsverantwortliche*r die Verantwortung für die Kooperation mit einem bestimmten Betrieb übernehmen. Als Botschafter*in übernimmt man darüber hinaus weitere Koordinationsaufgaben wie bspw. Ausweise für die Foodsaver auszustellen oder Hilfestellung bei der Akquise von neuen Betrieben zu leisten.

Fazit

So lang wir als Konsumenten weiterhin ein riesiges, dauerhaft verfügbares und günstiges Warensortiment verlangen, wird die Überproduktion weiterhin bestehen. Foodsharing stellt einen Ansatz dar, der sich gegen die Lebensmittelverschwendung innerhalb unseres marktwirtschaftlichen Systems richtet, dadurch dass es die Überschüsse vom Markt verwertbar macht. Indem man zuerst alle noch essbaren Lebensmittel verbraucht, auch wenn jene nicht der gesellschaftlichen Schönheitsnorm entsprechen, kann der Konsum eingeschränkt und zur Ressourcenschonung beigetragen werden. Das gesparte Geld kann dann mit gutem Gewissen für faire, verpackungsfreie Bio-Lebensmittel ausgegeben werden, falls doch noch was im Kühlschrank fehlen sollte. Auch regionale Bauernhöfe oder SoLaWis bieten eine gute Alternative zum konventionellen Supermarkt. Der große Vorteil vom Foosharing wird weiterhin darin bestehen, dass es geldfrei und somit für jeden zugänglich ist, was man in Angesicht der Preise von Bioprodukten nicht gerade behaupten kann.

Derzeit existieren deutschlandweit bereits knapp 2000 Kooperationen mit Lebensmittelbetrieben – Tendenz steigend! Dennoch steht die Bewegung gerade erst am Anfang und kann momentan nur einen Bruchteil der Lebensmittel retten, die weggeschmissen werden sollen. Das liegt im Wesentlichen daran, dass das Ganze nur dadurch funktioniert, dass sich genug Leute ehrenamtlich gegen die Verschwendung einsetzen. Was du vor Ort gemeinsam mit anderen engagierten Menschen tun kannst, erfährst du hier!

Zum Schluss noch ein kleiner persönlicher Gruß nach Chemnitz von Raphael Fellmer, dem Gründer von Foodsharing.de

 


Weitere Infos zum Thema findest du hier:

Filmvorstellung „10 Milliarden – Werden wir alle satt?“

Vorführung im Weltecho jeweils am 14.5.,19.5., 20.5., 22.5., 24.5., 25.5., 26.5., 27.5. um 19.00Uhr

Infomaterial vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Taste The Waste“ von Valentin Thurn

Studie zur Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen der Universität Stuttgart

 

foodsharing Chemnitz

Im grünen Karl-Marx-Stadt startete das Konzept von foodsharing.de 2015 richtig durch. Seitdem gibt es nicht nur regelmäßige Gruppentreffen, die lokale foodsharing-Gruppe war auch schon bei allerhand Veranstaltungen wie dem Fuega a la Isla, dem Fête de la Musique und dem Refugees Welcome Kickerturnier dabei, um gerettete Lebensmittel an Menschen zu verschenken und sie damit auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen und dazu anzuregen, selbst etwas zu tun.

Es werden immer Menschen gesucht, die Lust haben, sich mit einzubringen. Egal ob für Abholungen, im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit oder bei der Betreuung von Ständen.

Aktuelle Informationen: https://www.facebook.com/foodsharingdechemnitz/

Kontakt: foodsharingchemnitz [at] gmail [dot] com

Um euch einen kleinen Einblick in die foodsharing-Welt zu geben, haben Nine und Nik sich die Zeit genommen, um mir ein paar Fragen zu beantworten.

Raumfrei: Wie bist du zum Foodsharing gekommen, Nik?

Nik: Kaddi, eine Freundin aus dem Rheingau, hat mir davon erzählt, dass es jetzt auch alternative Projekte zum Containern gibt und im Zusammenhang mit dem Thema Geldfrei/Bedingungslosigkeit bin ich auch im Internet auf „foodsharing“ gestoßen. Über das Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia habe ich dann den Jahreswechsel 2013/14 habe ich dann mit 20 Menschen beim alwizuko verbracht und wir haben sehr viel Essen von der Tafel retten dürfen, die sehr froh war, dass die Lebensmittel nicht doch noch im Müll landen mussten.

Raumfrei: Liebe Nine, warum machst du bei Foodsharing mit?

Nine: Ich engagiere mich bei Foodsharing, weil mein Konsumverhalten sich im letzten Jahr verändert hat. Ich habe erkannt, dass wertvolle Ressourcen nicht weiterhin einfach so weggeworfen werden dürfen. Nur ein kleiner Schritt im Denkprozess kann schon viele andere Schritte bewirken! Lebensmittel zu retten, bedeutet für mich Ressourcen schonen, Müllvermeidung und hoffentlich weg vom Massenkonsum. Die Organisation Foodsharing stimmt mit meinen Überlegungen überein, dass es wichtig ist, Lebensmittel zu retten, aus diesem Grund möchte aktiv dabei unterstützen.

Raumfrei: Und was war bisher dein tollstes Erlebnis mit Foodsharing?

Nik: Oh da gibt es viele. Ein super schönes Erlebnis war, als über die foodsharing.de-Plattform eine Vernetzung zwischen Foodsavern in Dresden und uns hier in Chemnitz entstand. Sie haben uns etliche Kisten Aronia-Granatapfelsaft für unsere Events zur Verfügung gestellt und das ohne, dass wir uns je getroffen haben. Das zeigt, dass wir eine Gemeinschaft sind, die sich im Vertrauen weiterträgt.

Raumfrei: Was würdest du dir in Bezug auf Foodsharing von den Chemnitzern wünschen?

Nine: Ich wünsche mir, dass die Chemnitzer sich offen für die Initiative zeigen und die Chance nutzen, einerseits motiviert gegen die Lebensmittelverschwendung aktiv zu werden und anderseits das Angebot in den Fairteilern und auf der Website annehmen. Ebenso wünsche ich mir, dass die Chemnitzer Lebensmittelbetriebe uns mit gutem Gefühl unterstützen werden und so viele tolle Kooperationen zustande kommen!

Links zu Infos über foodsharing.de Chemnitz:

Artikel in der Freien Presse

Artikel im 371stadtmagazin

Radiointerview bei Radio T